Anwalts-Team bei der Besprechung im Konferenzraum

Kinder- & Jugendmedizin
Behandlungsfehler und Aufklärungsfehler in der Kinder- und Jugendmedizin

Was für die Geburtshilfe gilt, gilt in gleicher Weise für die Kinder- und Jugendmedizin. Der Organismus eines neugeborenen oder heranwachsenden Kindes befindet sich noch in der Entwicklung und ist besonders anfällig für irreversible Schädigungen. Solche Schäden können zu dauerhaften Entwicklungsstörungen führen, die später häufig nicht mehr vollständig ausgeglichen werden können.

In unserer bisherigen anwaltlichen Praxis sind bestimmte Krankheitsbilder aus der Kinderheilkunde immer wieder Gegenstand medizinrechtlicher Auseinandersetzungen geworden.

 

Die U1-Untersuchung

Die U1 ist die erste Untersuchung eines Neugeborenen und soll innerhalb der ersten 30 Minuten nach der Geburt erfolgen.

Ziele dieser Untersuchung sind

  • Erkennung lebensbedrohlicher Komplikationen,
  • Erkennen von Geburtstraumata,
  • Erkennen sofort behandlungsbedürftiger Erkrankungen und Fehlbildungen,
  • Erfassung prä-, peri- und postnataler Risikofaktoren,
  • Festlegung der weiteren Versorgung des Neugeborenen.

Zur Untersuchung gehört eine umfassende körperliche Untersuchung. Dabei werden auch Gewicht, Körperlänge und Reifezeichen des Kindes erfasst. Diese Werte müssen immer im Zusammenhang mit dem jeweiligen Schwangerschaftsalter bewertet werden.

Neurologische Schäden bei Früh- und Neugeborenen

Neugeborene reagieren besonders empfindlich auf Schädigungen des Gehirns. Bei Frühgeborenen ist dieses Risiko noch deutlich erhöht, da das Gehirn eines Frühgeborenen wesentlich empfindlicher ist als das eines reif geborenen Kindes.

Eine Hirnschädigung kann beispielsweise durch Sauerstoffmangel oder durch Raumforderungen im Gehirn entstehen, etwa infolge einer Hirnblutung.

Auf einer pädiatrischen Intensivstation kann es beispielsweise im Rahmen einer spontanen Extubation bei intubierten Kindern zu einer Sauerstoffunterversorgung kommen. Ursache ist häufig eine unzureichende Fixierung des Tubus, sodass dieser durch Bewegungen des Kindes verrutschen kann.

Medizinischer Standard ist es daher, genau zu dokumentieren, wie tief ein Tubus eingeführt wurde und wie er fixiert ist. Außerdem muss in jeder Schicht überprüft und dokumentiert werden, ob die Fixierung weiterhin sicher ist.

Kommt es zu einer Extubation, muss die Klinik organisatorisch sicherstellen, dass innerhalb kürzester Zeit ein erfahrener Arzt zur Verfügung steht, der die Ursache der Atemstörung klärt und gegebenenfalls eine erneute Intubation durchführt.

Auch eine Überbeatmung mit der Folge einer Hypokapnie kann zu schweren neurologischen Schäden führen.

Bereits relativ geringe Formen der Sauerstoff- oder Nährstoffunterversorgung, etwa eine Unterzuckerung, können beim unreifen Gehirn eine Minderdurchblutung verursachen und dadurch zu dauerhaften Schäden führen.

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